
Berechnen Sie den Taupunkt aus Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte und prüfen Sie, ob sich an einer Kaltwasserleitung, einem Speicher oder einer Armatur bei einer bestimmten Oberflächentemperatur Kondensat bildet.
Taupunkt und Kondensatrisiko
Magnus-Formel mit a = 17,62 und b = 243,12 °C, gültig für etwa -45 bis 60 °C über Wasser.
Was der Taupunkt aussagt
Luft enthält immer etwas Wasserdampf. Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die die Luft abkühlen muss, damit dieser Dampf zu kondensieren beginnt. Jede Oberfläche, die kälter ist als der Taupunkt der umgebenden Luft, wird nass. In einer Kaltwasseranlage betrifft das Rohre, Armaturen, Pumpengehäuse, Pufferspeicher und den Verdampfer selbst. Wasser, das von der Dämmung tropft, ist der sichtbare Teil. Der unsichtbare Teil ist Korrosion unter der Dämmung und durchfeuchtete Dämmung, die nicht mehr dämmt.
So nutzen Sie den Rechner
- Messen Sie Lufttemperatur und relative Luftfeuchte nahe der kalten Oberfläche, nicht im Büro nebenan. Eine Technikzentrale oder eine Produktionshalle kann deutlich feuchter sein.
- Geben Sie beide Werte ein. Das Tool zeigt Taupunkt, Wasserdampfpartialdruck und absolute Feuchte.
- Geben Sie die Oberflächentemperatur ein, die Sie prüfen möchten, zum Beispiel die Kaltwasser-Vorlauftemperatur bei einem ungedämmten Rohr oder die gemessene Temperatur der Dämmoberfläche.
- Lesen Sie den Abstand ab. Ist die Oberfläche kälter als der Taupunkt, bildet sich Kondensat.
Die Magnus-Formel
Das Tool verwendet die Magnus-Näherung, die im Bereich typischer Gebäude- und Technikraumbedingungen auf wenige Zehntel Kelvin genau ist:
g = ln(RH / 100) + a x T / (b + T)
Td = b x g / (a – g)
T ist die Lufttemperatur in °C, RH die relative Luftfeuchte in Prozent, a = 17,62 und b = 243,12 °C. Das Tool kehrt die Formel außerdem um und zeigt, ab welcher Luftfeuchte sich auf einer Oberfläche mit gegebener Temperatur Kondensat bildet.

Typische Werte
| Lufttemperatur | 50 % r. F. | 60 % r. F. | 70 % r. F. | 80 % r. F. |
|---|---|---|---|---|
| 20 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 14,4 °C | 16,4 °C |
| 22 °C | 11,1 °C | 13,9 °C | 16,3 °C | 18,4 °C |
| 24 °C | 12,9 °C | 15,8 °C | 18,2 °C | 20,3 °C |
| 26 °C | 14,8 °C | 17,6 °C | 20,1 °C | 22,3 °C |
| 28 °C | 16,6 °C | 19,5 °C | 22,0 °C | 24,2 °C |
| 30 °C | 18,4 °C | 21,4 °C | 23,9 °C | 26,2 °C |
| 32 °C | 20,3 °C | 23,3 °C | 25,8 °C | 28,1 °C |
Bei Kaltwasser mit 6 bis 7 °C schwitzt ein ungedämmtes Rohr in fast jedem Innenraumklima. Selbst ein nur leicht gekühlter Kreis mit 15 °C bildet an einem warmen, feuchten Tag Kondensat: Bei 28 °C und 60 % Luftfeuchte liegt der Taupunkt über 19 °C.
Technikzentralen und Produktionshallen
Die Luftfeuchte in Innenräumen ist oft höher als erwartet. Eine Produktionshalle mit Waschprozessen, ein Lebensmittelbetrieb oder eine Technikzentrale im Keller erreicht im Sommer leicht 70 % relative Luftfeuchte bei 25 °C, das entspricht einem Taupunkt von etwa 19 °C. Messen Sie in der Jahreszeit mit der höchsten Feuchte, meist im Spätsommer, und wiederholen Sie die Messung zu verschiedenen Tageszeiten. Ein Datenlogger, der eine Woche lang bei den Rohren liegt, liefert ein weit besseres Bild als eine Einzelmessung.

Anforderungen an die Dämmung
Eine Dämmung verhindert Kondensat nur, wenn ihre Außenoberfläche über dem Taupunkt bleibt und keine feuchte Luft an das kalte Rohr gelangt. Deshalb brauchen Kaltwasserleitungen ein geschlossenzelliges Material wie Synthesekautschuk, mit verklebten Nähten und Enden und einer Dicke, die für die ungünstigsten Bedingungen vor Ort gewählt ist. Mineralwolle ohne perfekte Dampfbremse wird mit der Zeit nass und verliert ihre Wirkung.
- Dämmen Sie auch Armaturen, Schmutzfänger, Pumpengehäuse und Flansche. Dort beginnt das Tropfen meistens.
- Verkleben Sie die Dämmungsenden an jeder Unterbrechung, damit feuchte Luft nicht unter der Dämmung entlang des Rohrs wandern kann.
- Prüfen Sie die Oberflächentemperatur der Dämmung an einem feuchten Tag mit einem Infrarotthermometer. Der Abstand zum Taupunkt sollte mindestens 2 K betragen.
- In Räumen mit hoher Luftfeuchte, etwa in Lebensmittelbetrieben oder Bereichen mit offenem Wasser, planen Sie eine dickere Dämmung als in den Standardtabellen.
Kondensat an kalten Teilen des Chillers selbst, etwa an der Saugleitung, ist bei vielen Geräten normal. Wasser, das in den Schaltschrank oder auf den Grundrahmen tropft, ist es nicht. Für Rohrgrößen und Volumenströme nutzen Sie das Tool Kaltwasser Rohrdimensionierung, Hintergründe zu Wasserkreisen finden Sie in unserem Ratgeber zu Kaltwasseranlagen.
Häufige Fragen
Warum tropft ein gedämmtes Rohr trotzdem?
Meist weil die Dämmung Lücken, offene Nähte oder ungedämmte Armaturen hat, oder weil feuchte Luft von einem offenen Ende unter die Dämmung gewandert ist. Prüfen Sie Stöße und Formstücke, bevor Sie die Dämmung erneuern.
Welche Oberflächentemperatur gebe ich bei einem gedämmten Rohr ein?
Die Temperatur der äußeren Dämmoberfläche, gemessen mit einem Kontakt- oder Infrarotthermometer. Bei einem ungedämmten Rohr ist die Medientemperatur ausreichend genau.
Wie genau ist die Magnus-Formel?
Im Bereich von -40 bis 50 °C auf etwa 0,1 bis 0,4 K, das ist weit genauer als die meisten vor Ort eingesetzten Feuchtesensoren. Die Feuchtemessung ist die größere Fehlerquelle.
Kann ich die Kaltwassertemperatur anheben, um Kondensat zu vermeiden?
Manchmal. Wenn Prozess oder Register eine höhere Vorlauftemperatur zulassen, verbessert eine Anhebung zugleich die Effizienz des Chillers. In feuchten Räumen liegt der Taupunkt aber oft über jeder sinnvollen Kaltwassertemperatur, die Dämmung bleibt also notwendig.
Kondensatprobleme an Ihrer Kaltwasseranlage?
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