
Ermitteln Sie die Glykolkonzentration, die für die tiefste Temperatur in Ihrer Anlage nötig ist, und wie viele Liter Konzentrat Sie zugeben müssen, bei einer Neubefüllung oder beim Aufkonzentrieren eines vorhandenen Gemischs.
Glykolkonzentration und benötigtes Konzentrat
Gefrierpunkte nach Volumenanteil auf Basis veröffentlichter ASHRAE-Daten. Die Werte sind Näherungen, die Volumenkontraktion beim Mischen wird vernachlässigt. Prüfen Sie das Ergebnis nach dem Mischen mit einem Refraktometer.
So funktioniert der Rechner
Der Rechner beantwortet zwei Fragen, die sich bei jeder Glykolanlage stellen. Erstens: Welche Konzentration schützt den Kreislauf bei der tiefsten Temperatur, die dort auftritt? Zweitens: Wie viel Konzentrat brauchen Sie, um diese Konzentration zu erreichen, entweder bei einer Neubefüllung oder in einer Anlage, die bereits ein schwächeres Gemisch enthält?
Der erforderliche Gefrierpunkt ist die tiefste zu erwartende Temperatur abzüglich eines Sicherheitsabstands. Für Außenleitungen und Trockenkühler ist die tiefste Temperatur die Norm-Außentemperatur des Standorts, nicht der Winterdurchschnitt. Bei einem Prozesskreislauf ist es die tiefste Medientemperatur, die auf der Verdampferseite einige Kelvin unter dem Sollwert der Vorlauftemperatur liegen kann. Ein Abstand von 3 bis 5 K deckt Messunsicherheiten und die schleichende Verdünnung durch Nachfüllen mit Wasser ab.
Die Formeln
Bei einer Neubefüllung ergibt sich die Menge Konzentrat aus dem Anlagenvolumen mal Zielkonzentration, geteilt durch die Konzentration des Konzentrats. Bei einer Anlage, die bereits Glykol enthält, geht der Rechner davon aus, dass Sie einen Teil des Gemischs ablassen und durch Konzentrat ersetzen:
X = V x (c2 – c1) / (s – c1)
X ist die abzulassende und zu ersetzende Menge, V das Anlagenvolumen, c1 die aktuelle und c2 die Zielkonzentration, s die Konzentration des Konzentrats, alles in Vol.-%. Beispiel: 1.500 Liter mit 20 % Ethylenglykol, Ziel 35 %, reines Konzentrat: X = 1.500 x 15 / 80 = 281 Liter.

Typische Konzentrationen
| Tiefste zu schützende Temperatur | Ethylenglykol | Propylenglykol |
|---|---|---|
| -5 °C | ca. 22 % | ca. 25 % |
| -10 °C | ca. 29 % | ca. 33 % |
| -15 °C | ca. 35 % | ca. 39 % |
| -20 °C | ca. 41 % | ca. 44 % |
| -25 °C | ca. 45 % | ca. 48 % |
| -30 °C | ca. 49 % | ca. 51 % |
Die Werte enthalten einen Sicherheitsabstand von 5 K und sind auf volle Prozent aufgerundet. Die genauen Werte hängen vom Produkt ab: Handelsübliche Wärmeträgermedien enthalten Inhibitoren und teils Wasser. Maßgeblich ist das Datenblatt des eingesetzten Mediums.
Beispiel
Ein Trockenkühlerkreis in Norddeutschland hat eine Norm-Außentemperatur von -16 °C. Mit 5 K Sicherheitsabstand darf das Medium nicht oberhalb von -21 °C gefrieren. Der Rechner ergibt 36 % Ethylenglykol oder 40 % Propylenglykol. Enthält die Anlage mit 2.400 Litern derzeit 30 % Ethylenglykol, müssen etwa 206 Liter altes Gemisch abgelassen und durch reines Konzentrat ersetzt werden. Nach dem Umwälzen bestätigt eine Refraktometermessung das Ergebnis. Ist der Wert noch zu niedrig, war das Anlagenvolumen größer als angenommen.

Welches Glykol wählen?
Ethylenglykol hat bei gleichem Frostschutz den besseren Wärmeübergang und die geringere Viskosität. Es ist daher die übliche Wahl für industrielle Kühlung und Klimaanlagen. Propylenglykol ist weniger giftig und wird eingesetzt, wenn eine Leckage Lebensmittel, Trinkwasser oder Menschen erreichen könnte, etwa in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Mischen Sie nie beide Arten und mischen Sie keine Produkte mit unterschiedlichen Inhibitorpaketen, ohne die Verträglichkeit mit dem Lieferanten zu klären.
Praxistipps
- Messen Sie die Konzentration mit einem Refraktometer, das eine Skala für die verwendete Glykolart hat. Eine Ethylenglykol-Skala zeigt bei Propylenglykol falsche Werte.
- Gut durchmischen: Lassen Sie nach der Zugabe von Konzentrat die Pumpen mehrere Stunden laufen, bevor Sie eine Probe nehmen, und nehmen Sie diese an einer Stelle mit guter Durchströmung.
- Nicht überdosieren. Jede 10 % zusätzliches Glykol erhöhen Viskosität und Pumpenenergie und senken die Leistung der Wärmeübertrager.
- Prüfen Sie einmal jährlich pH-Wert und Inhibitorreserve. Altes Glykol wird sauer und greift Stahl und Lötstellen an, auch wenn der Gefrierpunkt noch stimmt.
- Gleichen Sie Leckverluste mit fertig gemischtem Medium aus, nicht mit Wasser, sonst sinkt der Frostschutz über die Jahre.
Die vollständigen Gefrierpunktdaten für jede Konzentration finden Sie in der Glykol Mischtabelle. Ist Ihr Glykol alt oder verschmutzt, hilft unser Service Glykolprüfung und Glykolwechsel.
Häufige Fragen
Wie groß sollte der Sicherheitsabstand sein?
Für die meisten Anlagen reichen 3 bis 5 K. Nehmen Sie den oberen Wert für Außenleitungen, Trockenkühler und Anlagen, die oft mit Wasser nachgefüllt werden, denn dort sinkt die Konzentration mit der Zeit.
Warum hebt der Rechner niedrige Konzentrationen auf 20 bzw. 25 % an?
Inhibitorpakete sind für eine Mindestkonzentration ausgelegt. Darunter wird der Korrosionsschutz schwach, und Propylenglykolgemische mit niedriger Konzentration können Bakterienwachstum begünstigen. Brauchen Sie weniger Frostschutz, ist es trotzdem besser, bei der Mindestkonzentration zu bleiben oder inhibiertes Wasser zu verwenden.
Was, wenn ich das Anlagenvolumen nicht kenne?
Addieren Sie die Rohrvolumina nach Durchmesser und Länge, den Pufferspeicher, den Verdampfer des Chillers und die Register laut Datenblatt. Zur Kontrolle messen Sie die Konzentration vor und nach der Zugabe einer bekannten Menge Konzentrat und rechnen das Volumen zurück.
Kann ich Konzentrat zugeben, ohne vorher abzulassen?
Nur wenn in der Anlage Platz ist, zum Beispiel nach einer Leckage. In einem gefüllten geschlossenen System muss das zusätzliche Volumen irgendwohin. Lassen Sie also vorher ab oder nutzen Sie das Volumen des Ausdehnungsgefäßes, das meist klein ist.
Glykol prüfen oder wechseln?
Wir prüfen Glykol vor Ort, bringen es auf den erforderlichen Frostschutz oder tauschen es komplett, inklusive Spülen und Entlüften.
